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Türkisches Volksmärchen
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Salz
Beschreibung

Es war einmal vor langer Zeit, als das Sieb im Stroh war, als die Flöhe Berber waren, als die Kamele Makler waren, als ich in der Wiege meiner Mutter schaukelte.  Dieses Märchen wird folgenderweise erzählt:
Es lebte einmal vor langer Zeit ein Sultan mit seinen drei Töchtern. Eines Tages rief der Sultan seine Töchter zu sich und fragte sie: "Wie sehr liebt ihr mich?".

Die älteste Tochter antwortete: "So sehr wie die Welt." Die zweite Tochter sagte: "So sehr wie meine Arme." Die jüngste Tochter jedoch antwortete: "So sehr wie Salz." Der Sultan erzürnte sehr über die Antwort seiner jüngsten Tochter und übergab sie dem Henker. Der Henker brachte das Mädchen in den Wald, um es zu töten. Aber das Mädchen flehte den Henker an: "Wie kannst du mir das antun? Bist du nicht auch Vater und hast ein Kind?" Der Henker hatte Mitleid mit dem Mädchen und brachte es nicht übers Herz, es zu töten. An dessen Stelle tötete er ein Tier, beschmierte das Hemd des Mädchens mit dem Blut des Tieres und brachte es dem Sultan.

Das junge Mädchen machte sich auf den Weg und nach einiger Zeit erreichte es ein Dorf. Es wurde dort Dienerin eines reichen Dorfbewohners. Es wuchs heran und wurde ein sehr schönes Mädchen, dessen Schönheit in aller Munde war. Ihr Schicksal wollte es, dass sie den Sohn eines anderen Sultans heiratete. Nach langer Zeit erzählte es ihrem Mann, was es alles erlebt hatte und schlug ihm vor, ihre Familie zum Essen zu laden. Der Mann stimmte zu und es wurden die notwendigen Vorbereitungen getroffen. Der Sultan, also der Vater des Mädchens, kam an dem verabredeten Tag mit seiner Gefolgschaft zum Festmahl. Als der Vater am Tisch saß, wurden die Speisen der Reihe nach aufgetragen.

Aber das Mädchen hatte dem Koch befohlen, alle Speisen ohne Salz zuzubereiten. Welche Speisen der Sultan auch probierte, sie waren alle salzlos, und der Sultan konnte keine von ihnen essen. Da sprang das Mädchen vom festlichen Tisch auf und sagte: „Mein Sultan, ich habe gehört, dass Sie ihre jüngste Tochter hinrichten ließen, weil es Ihnen sagte, dass es Sie so sehr wie Salz liebe.“ Ohne dem Sultan eine Gelegenheit zur Antwort zu geben fuhr es fort: "Ich bin dieses kleine Mädchen. Und ich habe sämtliche Speisen ohne Salz zubereiten lassen, damit Sie meinen Wert verstehen."

Der Sultan schämte sich für seine Tat und umarmte seine Tochter. Nun verstand er den Wert des Salzes und sie lebten von nun an in Frieden gemeinsam bis zum Tode. 

Quelle: Pertev Naili Boratav, Türkische Volksmärchen, Berlin 1967, München 1990   

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